Profi-Tipps zur Oberflächenbehandlung

1. Tipp zum Schleifen: 

Profitipp Vorbereitung von Holzobjekten für das Ölen und Wachsen

Um eine hochwertige und edle Oberfläche zu erzielen, müssen die Holzobjekte sauber geschnitten oder/und geschliffen werden. Mit scharfen Werkzeugen geformte Holzteile benötigen in der Regel keinen Schliff. So sind z.B. mit dem Meißel gedrechselte oder mit Schnitzwerkzeuge geschnittene Holzoberflächen sofort bereit, zum Ölen oder Wachsen. In vielen Fällen muss jedoch geschliffen werden. Das ist bei Querholz-Drechselarbeiten der Fall und auch bei maschinell gehobelten und gefrästen Oberflächen.

Dieses Schleifen muss in mehreren Stufen mit Schleifmittel unterschiedlicher Körnung erfolgen, von grob zu feinkörnig. Wird nur grob und fein geschliffen, bleiben Furchen, die nach dem Ölen erst deutlich sichtbar werden. Das Holzöl oder das Ölwachs setzt sich nämlich in den Furchen fest und die Spitzen stehen hervor. Wenn jedoch stufenweise in Schleifgradationen von grob über mehrere mittlere Körnungsstufen bis fein geschliffen wird, bildet sich eine völlige Ebene aus, auf der das Öl eine gleichmäßig Oberfläche bildet.  

Die natürliche Wirkung und Farbe des Holzes wird in höchster Qualität nur durch eine dünnschichtige naturgeölte oder gewachste Oberfläche erreicht. Diese Oberflächen fühlen sich griffsympathisch an, sind strapazierfähig und leicht zu pflegen und zu renovieren. 

Synthetische Lacke und Wachse werden häufig auf grob geschliffenen Untergründen verarbeitet und die Endqualität ist vielfach nicht mehr von Kunststoff-Holzimitationen zu unterscheiden. 

Welchen Einfluss hat die Verwendete Korngröße des Vorschliffs auf die Oberflächenqualität eines Beschichtungsstoffes (Öl oder Ölwachs bzw. Wachsöl): 

                                                            grober Schliff / feiner Schliff

Verbrauch                                                  hoch                niedrig Anfeuerung durch transparente Öle     hoch                niedrig
Vergilbungsneigung v. transp. Ölen     hoch                niedrig
dekorative Wirkung                               wenig               hervorrag.   
                         Pigmentspuren in den Schleif-
              Furchen prägen das Oberflächenbild
Aussehen                                         wenig Glanz          höherer
                                                                                              Glanz
Pflege                                                     schwierig            leicht
Verschmutzungsneigung                    hoch                    gering    

Schleifpapiere unterscheiden sich sehr stark in ihrer Qualität

Dieses wird besonders von der Art seiner Körnung bestimmt:

Flint (Quarz)
Preiswertes Naturprodukt, wegen seiner geringen Härte (Mohs 7) neigt es scchnell zum Stumpfwerden. Schleifergebnis ist oft nur befriedigend. Farbe: weiß-beige.

Korund (besteht zu 96 % aus Aluminiumoxid)
Es besitzt eine rel. hohe Härte (Mohs 8). Das Korn ist rel. zäh, so dass die Bruchkanten nach längerem Gebrauch stumpf werden. Farbe: braun

Edelkorund
Besteht aus synthetisch gewonnenem Aluminiumoxid, mit einem Reinheitsgrad von ca. 99 % und ist hart und spröde. Bei hoher Belastung entstehen winzige Kantenbrüche, die das Korn automatisch nachschärfen. Farbe: rosa bis weiß, je nach Reinheit.

Siliciumkarbid
wird synthetisch gewonnen. Seine Härte liegt zwischen Korund und Diamant. Sein Korn besitzt sehr scharfe Kanten. Wegen seiner Sprödigkeit neigt es zum Zersplittern, wodurch sich die Kornkanten im Arbeitsprozess automatisch nachschärfen können. Farbe: dunkelgrau, durch Beimengung verswchiedener Metalle können auch graue oder schwarze Kornfarben vorkommen.

Die Art der Kornstreuung beeinflusst die Oberflächengüte:
Die offene Streuung bringt Vorteile bei noch nicht vollkommen ausgehärteten Lack- oder Öloberflächen, bei harzhaltigen Hölzern, feuchtem Holz und verhindert ein Zusetzen der Körnung mit Schleifstaub.
Das offen gestreute Schleifmaterial muss aber häufig gewechselt werden, da der geringere Kornbesatz einer höheren Abnutzung ausgesetzt ist.

Da für dieses Schleifmittel oft Edelkorund oder Siliciumkarbid verwendet wird, erreicht man über die langanhaltende Schärfe des Korns einen hochwertigen Schliff.

Eine 100 %ige Streuung besitzt eine hohe Schleifwirkung. Der große Nachteil ist das Anhaften von Schleifstaub, der Schleiffehler verursachen kann.

Für den feinen Oberflächenschliff und den Lackschliff sind Schleifmittel mit offener Streuung vorzuziehen. Wenn nur noch 80% der Schleifmittefläche mit Schleifkorn besetzt ist, kann der anfallende Schleifstaub besser abgeleitet werden. Mit mehr freien Flächen sorgt es auch für bessere Kühlung. Beide Eigenschaften führen zu einer perfekten Oberflächenqualität. 

Hinweis zu einem verbreiteten Irrtum:

Manche Praktiker sind der Meinung, dass Schleifmittel von Maschinen mit z.B. 150iger Körnung nach dem Stumpfwerden noch so gut schleifen wie 240iger Körnung. Das ist ein Irrtum:

Stumpfe Kornkanten oder Kornspitzen besitzen keine Schleifwirkung. Abgenutzte Körnung kann keine Holzfaser mehr zerschneiden oder abschaben. Es kommt lediglich zu einer vermehrten Polierwirkung, bei der die freien Fasterspitzen auf die Holzoberfläche gedrückt werden. Das Ergebnis sind relativ stark glänzende, glatte Vorschliffe auf dem Holz. Die Oberflächenqualität der fertig geölten Holzfläche weist danach eine schlechte Wasserfestigkeit auf.  

Schleifmittel

Schleifvliese bestehen aus Kunststoffgewebe, auf dem Schleifkorn haftet.

Poliervliese sind schleifkornfrei. Die Vliesgewebe setzen sich kaum zu. Vorteil: Sehr hohe Standzeiten mit gleichbleibender Schleifwirkung. Die Schleifwirkung ist aber auch nicht so hoch wie von Schleifpapier bzw. -gewebe.

Schleifschwämme haben kürzere Standzeiten als Schleifvliese. Für Feinschliffe und Konturen sind sie gut geeignet.

Stahlwolle und Edelstahlwolle: Stahlwolle besitzt eine hohe Schärfe. Die Abnutzung ist relativ hoch. Es entstehen fortlaufend Abbauprodukte, die entfernt werden müssen. Edelstahlwolle ist für gerbsäure- und farbstoffreiche Hölzer vorzuziehen (Eiche, Edelkastanie, Robinie, Kirsche), wird aber nur bis Sorte 00 angeboten.

Stahlwolle gibt es in verschiedenen Feinheitsgraden.. Sie erhält ihre Schneidwirkung durch ihr klingenartiges Schlingengewebe.

Beim Arbeiten mit Stahlwolle entstehen keine Schleiffurchen, daher ist z.B. die Sorte 0000 sehr gut zur Glanzkorrektur einzusetzen.

Erst nach der zweiten Schicht von z.B. Drechsleröl kann Stahlwolle angewendet werden. Die laufend anfallenden Mikrostahlspäne, welche durch Reibung entstehen, dürfen nicht in der Grundierung oder ins rohe Holz eingebettet werden. Bei Wasserbelastung entstehen in einem solchen Falle rote Rostpünktchen.

Profile, Rundungen und Vertiefungen erfordern flexible Schleifmittel. Die Biegsamkeit muss so groß sein, dass z.B. auf Rundungen überall mit gleichem Flächendruck geschliffen werden kann. Flexibles Gewebeschleifmittel gewährleistet diese Anforderung besser als Schleifpapiere.

Auf grobporigen Hölzern muss aquf Probeflächen die Schleifwirkung kontrolliert werden, da in die Porenrillen leicht Späne gelangen können, die sich nicht immer rückstandsfrei entfernen lassen.

Schleifgitter bestehen aus steifen, strapazierfähigem Kunststoff. An der Unterseite ist das Gewebe mit Siliziumcarbidkörnung besetzt.

 

Schleifen von Holzoberflächen

Die Körnungszahl entspricht der Anzahl der Siebmaschen auf einem Zoll, durch die das Schleifkorn noch hindurchfallen kann. Beispiel K 180, auf 25,4 mm (1 Zoll) Sieb- länge ergibt 180 Maschen. Die Maschenweite beträgt 0,14 mm. Das Korn darf also höchstens 0,14 mm groß sein, um durch die Maschen fallen zu können. Die tatsächliche Korngröße muss aber noch kleiner sein, damit der Arbeitsprozess zügig ablaufen kann.

 

Warum stufenweiser Schliff

Ziel ist eine rillenfreie Holz- oder Lackoberfläche. Der Abbau der Spitzen an den Schleiffurchen muss jeweils von der nächsten Kornstufe ausgeführt werden. Das Überspringen einer oder mehrerer Gradationen führt zu Schleiffurchen, die noch im Endschliff erkennbar sind.

Quelle: Livos